Journalistische Sorgfaltspflicht

Die Gefahren des Zwitscherns

08:06 03.06.2010

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    Was falsch laufen kann, wenn man soziale Netzwerke wie Twitter ohne Gegenrecherche nutzt, beschreibt der User "derausmwaldkam" in seinem Blog.

    Was war passiert?

    Am Dienstag Abend sollte in Göttingen eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft werden. Sie detonierte und tötete mehrere Menschen.

    Unter dem Pseudonym “daswaldi“ verbreitete der Blogger über den Internet-Dienst  Twitter ein Gerücht, das er vom Bruder einer Freundin erfahren hatte: Bei der Explosion soll es sich nicht um eine Bombe (#goebombe), sondern eine Gasexplosion gehandelt haben.

    Diese neue Information wurde in Windeseile von zahlreichen Twitter-Nutzern weiter verbreitet. So schrieb z.B. User „schoschi“ um 22:21 Uhr von seinem iPhone: Ich hör gerade von einem Freund nahe GÖ, dass es vermutlich keine Fliegerbombe, sondern eine Gasexplosion war? #goebombe”

    Ohne die Twitter-Quelle zu verifizieren sprangen die Medien, u.a.  zdf.de, auf den Zug auf und berichteten über eine Gasexplosion. Das Gerücht war damit endgültig im Umlauf .

    Das Problem: Alle beriefen sich auf eine einzige Quelle. Den Twitter-User “daswaldi”. Die Mühe, in Erfahrung zu bringen, wer hinter dem Account steckt und woher die Information stammt, machte sich unter dem Druck der Schnelligkeit niemand.  Die Tatsache, dass der User nur 16 Tweets, die alle am selben Tag gepostet wurden, und 22 Follower vorzuweisen hat (das typische Indiz für einen neu erstellten Account), kümmerte niemanden.

    Ein Paradebeispiel dafür, was falsch laufen kann, wenn Twitter von etablierten Medien ohne Gegenrecherche genutzt wird.

    Obwohl sich unser “This is South Africa”-Projekt ausschließlich an Informationen aus dem Social Web bedient, wollen wir solche Fehler vermeiden.

    In unserem Code of Conduct heißt es ganz klar: “Alle Inhalte, die auf unserer Seite dargestellt werden, werden von uns auf ihre Richtigkeit und Glaubwürdigkeit überprüft.” Damit wollen wir unserer journalistischen Sorgfaltspflicht nachkommen und Falschmeldungen vermeiden.

    Bevor unsere Inhalte online gestellt werden, setzen wir uns mit den Urhebern in Verbindung und überprüfen den Wahrheitsgehalt aller Meldungen. Die goldene Regel lautet: Eine Twitter-Meldung muss mindestens durch eine, besser mehrere Quellen bestätigt werden.

    Denn eins sollte jedem Journalisten klar sein: Twitter ist ein netter Informationslieferant und Hinweisgeber. Damit er dem Qualitätsjournalismus dienlich sein kann, bleibt eine saubere Gegenrecherche  aber unvermeidlich.




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