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Aufstand der Verdammten

18:06 10.06.2010

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    Sie wurden vertrieben, jetzt wehren sie sich. Die Obdachlosen in Südafrika sind bereit: für den Weltcup, für Kapstadt und für den Kampf um ihr Bleiberecht. Das Motto ihrer Kampagne: "The right to the city". Zum WM-Auftakt wollen sie vor dem Green Point Stadion demonstrieren.

    Demo

    Der Kampf ums Bleiberecht: Die Abahlali baseMjondolo-Organisation will Freitag vor dem Green Point Stadion in Kapstadt demonstrieren. Foto: Elkartasun Bideak/Flickr

    Wellblechhütten vor dem Stadion. Die Besetzung öffentlicher Gebäude und Räume durch Obdachlose. So wird sich die Regierung in Südafrika den Auftakt der Weltmeisterschaft nicht vorgestellt haben.

    Obachlose in Südafrika – Kicked Out for the World Cup? Diese Frage wird im Web 2.0 hitzig diskutiert. Die Blogosphäre vermutet, dass die Regierung allein in Johannesburg 800 Obdachlose vor Beginn der WM inhaftiert oder umgesiedelt habe. Damit die Touristen des “World Cup shitty site” (“die beschissene Seite der WM”) nicht zu sehen bekommen. Ähnliche Aktionen der Regierung beobachtete die Blogosphäre in Durban, Kapstadt und Rustenburg. Andy Bold und die Twitter-Gemeinde sind erregt. Der Hashtag: #Blikkiesdorp. Das temporäre Übergangslager in Kapstadt wird im Netz angesichts prekärer Lebensbedingungen mit einem Konzentrationslager verglichen.

    Die Organisation “Housing is a human right” zwitschert: “World Cup starts friday, billions on stadiums that will rarely be used after this month, Tin Can Town not fit for people” (Die WM beginnt Freitag. Milliarden werden für Stadien ausgegeben, die nach diesem Monat nur noch selten genutzt werden. Die temporären Umsiedlungslager sind für die Menschen nicht bereit”).

    Die Ausgestoßenen und ihre Freunde wollen das nicht so einfach hinnehmen. Pastor John Philmon betreibt im Zentrum von Kapstadt eine Suppenküche und sagte gegenüber dem National Public Radio:  “Because the problem that we had in the past with big events is the homeless people were always excluded, and they were not allowed … on the premises or near the places where these big events take place. But now we’ve created an opportunity for them also to be part of the World Cup” (“In der Vergangenheit hatten wir bei Großveranstaltungen das Problem, dass die Obdachlosen immer ausgeschlossen wurden. Sie wurden auf dem Veranstaltungsgelände nicht geduldet. Aber jetzt können sie vielleicht Teil der Weltmeisterschaft werden”).

    Der Plan:

    Wellblech. Pappe. Zink. Die 100 Aktivisten von Abahlali baseMjondolo (AbM)  wollen vor dem Green Point Stadion Hütten aufbauen, öffentliche Gebäude und Plätze besetzen. Aus Protest und Wut über das gebrochene Versprechen der südafrikanischen Regierung, offizielle Unterkünfte für Bedürftige bereitzustellen. Allein in Kapstadt warten 300.000 Familien nach Schätzungen der Blogosphäre auf eine Wohnung. Sea Point, Woodstock oder Observatory – aus den Modestädten in Kapstadt wurden Familien wie Obdachlose gleichermaßen entfernt. Übergangslager wie Blikkiesdorp sollen für sie auf dem Weg zu einer Wohung nur eine Durchgangsstation sein, doch für viele der Bewohner sind die “Blechdosenstädte” Endstation.

    Damit soll jetzt Schluss sein: “We want the whole world to see that the government is really arrogant about the people of South Africa. They don’t care about the poor people” (“Wir wollen, dass die ganze Welt sieht, wie arrogant sich die Regierung gegenüber ihrer Bevölkerung benimmt. Sie kümmert sich nicht um die Armen”),  sagt Initiator Mthobeli Qono auf der Website der Organisation.

    Die Brisanz:

    Ungefährlich ist die Kampagne nicht. Sie ist nicht angemeldet und könnte bei den Behörden als illegal gelten. Laut dem South Africa Civil Society Information Service gibt es eine Anordnung der südafrikanischen Polizeibehörde, in der Städte angewiesen worden sein sollen, Demonstrationen während der Weltmeisterschaft zu verbieten. Mthobeli Qono kommentiert auf der Homepage der Organisation: “according to us our action is genuine and legitimate and we see no reason for us to notify them while we are going to occupy their offices because we refused to be controlled in any way in our actions” (“Für uns ist unsere Aktion legal. Wir sehen keinen Grund, den Behörden mitzuteilen, dass wir ihre Gebäude besetzen werden. Denn wir wollen nicht in unseren Aktionen eingeschränkt werden”).

    Der Treffpunkt:

    Um 10 Uhr geht’s los.  In der Keizerngracht Street. Ganz in der Nähe der Cape Peninsula University of Technology (CPTU). Von dort zieht die Gruppe in einem Protestmarsch zum Green Point Stadion. “We’ll take material with us if we have transport to do so”, sagt Initiator Mthobeli Qono. Der Plan B: Klappt der Hüttenbau nicht, dann ziehen sie zum Büro von Bürgermeister Dan Plato.

    Der Ausgang:

    Ungewiss. Am Freitag findet im Green Point Stadion das zweite Spiel der Weltmeisterschaft statt. Frankreich gegen Uruguay. Doch vorher findet dort die Begegnung AbM gegen Kapstadts Behörden statt. Letztere stehen dem Anliegen der Organisation im Vorfeld unaufgeschlossen gegenüber. Zwangsumsiedlung? Säuberung der Spielorte? “I think there’s a misunderstanding here. It is quite possible that those people … didn’t think that they had any other choice of housing than going to Blikkiesdorp. But if the implication is that they were forced there, then I would have to say that that’s not possible in a democratic country” (Ich denke, es handelt sich um ein Missverständnis. Es ist durchaus möglich, dass diese Leute… nicht verstehen, dass sie nicht nach Blikkiesdorp gehen müssen und es durchaus andere Möglichkeiten gibt. Aber wenn der Eindruck entsteht, dass sie gezwungen werden, dann sage ich: Dies ist in einem demokratischen Land nicht möglich”), wird Hassan Khan vom City Improvement District im Weblog des National Public Radios zitiert.




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