Fußball und Identität

Bafana Bafana: “Ihr macht mich stolz!”

23:06 11.06.2010

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    Das Eröffnungsspiel ist vorbei. Die südafrikanische Blogosphäre ist sich nach dem Eröffnungsspiel gegen Mexiko einig: Jungs, wir stehen hinter euch. Schafft die Nationalmannschaft tatsächlich den Sprung ins Achtelfinale, dann könnte sie auch den afrikanischen Kontinent einigen.

    1:1. Was für ein Auftakt: Südafrika und Mexiko trennen sich unentschieden. Die Blogosphäre ist im Fußballrausch. Im Siegesrausch. Und im Freudentaumel. David Brooke zwitschert euphorisiert: “Bafana draw with Mexico in opening game of Soccer World Cup … What a day for South Africa!” (“Unsere Jungs spielten im Eröffnungsspiel gegen Mexiko unentschieden… Was für ein Tag für Südafrika!”)

    Die Weltmeisterschaft kann beginnen. Die “Bafana Bafana” (“Unsere Jungs”) sind bereit, ihre Anhänger sind es auch. “Bafana: You are still in the game … and WE are still here” (“Unsere Jungs, ihr seid noch im Spiel .. und wir sind immer noch hier”), twittert Moleboheng Tladi. Das Web 2.0 ist voll von diesem speziellen Stolz, dieser überschwänglichen Freude und überbordender Euphorie. Denn: Die Fußball-Nationalmannschaft des Gastgebers der Weltmeisterschaft kann es schaffen.

    Sie kann es schaffen, den gespaltenen afrikanischen Kontinent zu einen. Panafrikanische Solidarität quasi. Sie kann es schaffen, Schwarz und Weiß zusammenzuführen. Wie das Rugby-Nationalteam – die “Springboks”. Und vielleicht kann es die südafrikanische Fußballmannschaft sogar schaffen, ins Halbfinale einzuziehen. Wie Gastgeber Südkorea bei der WM 2002.

    Dann wäre es ein gelungenes Fußball-Fest für Südafrika. Doch noch.

    Denn für die Blogosphäre ist Sepp Blatter nicht der liebe Fifa-Onkel. Zu tiefgreifend habe die Weltmeisterschaft den Alltag, besonders den von kleinen Straßenhändlern, Prostituierten und Obdachlosen reglementiert. Das südafrikanische Institut für Sicherheitsstudien befürchtet in einem Ressort, dass die WM der gastgebenden Regierung und ihren Bürgern schaden könnte. Dabei haben sie sich in Südafrika so bemüht, diesen Eindruck durch Imagekampagnen zu vermeiden: mit dem vom Straßenfußball inspirierten “Diski Dance“, dem wöchentlichen “Football Friday” und mit der Änderung des Landesslogans. Aus “active with possibility” (” Wirken mit Möglichkeit”) wurde für die WM kurzerhand “Ke Nake – celebrate africa’s humanity” (“”Ke Nake – Afrikas Menschlichkeit feiern”).

    1:0 für Südafrika. Twitter pulsiert.

    “South African wonder goal lit up day one. They looked like Brazil of old. Bafana Bafana!” (“Südafrikas Wundertor erleuchtet den ersten Tag. Sie sahen aus wie die Brasilianer in ihren alten Zeiten. Bafana Bafana”), Anthony Leonard zwitschert seine Sympathiebekundung ins Web 2.0 hinaus. Dabei ist Fußball eigentlich das Spiel der Schwarzen, der einzige weiße südafrikanische Nationalspieler Mattthew Booth drückte nur die Ersatzbank. Trotzdem: Soccer rules im Web. In Johannesburg auch. Mit Staatspräsident Jacob Zuma, seinen Vorgängern Thabo Mbeki und Wilhelm De Klerk, dem Friedensnobelpreisträger Desmond Tutu und US-Vizepräsident Joe Biden sonnte sich nicht nur die afrikanische Prominenz im Glanz des Fußballs.

    1:1 – Mexiko gleicht aus. Twitter bricht zusammen.

    Cato Bekker zittert: “I’m happy with a draw, but please bafana…don’t lose.” (“Ich bin glücklich mit einem Unentschieden, aber bitte verliert nicht…”). Frankreich und Uruguay sind die nächsten Gegner. Eine Monsterauslosung für Südafrika. Denn: Auf dem Papier zählt die “Bafana Bafana” zu den schwächsten der 32 teilnehmenden Mannschaften. Dabei ist sie im afrikanischen Vergleich mit Algerien, der Elfenbeinküste, Ghana, Kamerun und Nigeria eine der stärkeren Mannschaften. Wenn die “Bafana Bafana” die Vorrunde übersteht und ins Achtelfinale einzieht, dann könnte es sogar etwas werden mit der panafrikanischen Solidarität. Aber eben erst nach der Vorrunde.

    Hadlay McLean zwitschert trotz des 1:1-Ausgleichs vergnügt: “On the edge of my seat. Vuvuzela volumes returning to normal after that tragic moment which I can’t block out of memory. C’MON BAFANA!!!” (Auf dem Rand meines Sitzes. Der Lärm der Vuvuzelas kommt zurück nach diesem Schockmoment. Auf geht’s Bafana!!”) Die Vuvuzela. Sie ist mehr als Ausdruck bloßer Fußballbegeisterung, sie ist ein Symbol für den Heimvorteil und für die südafrikanische Fußballbegeisterung.

    Abpfiff. Twitter stabilisiert sich.

    In Deutschland brüllte Herbert Zimmermann seinerzeit: “Aus. Aus. Aus. Das Spiel ist aus….” Das Wunder von Bern war vollbracht – und Deutschland Weltmeister. Davon ist Südafrika zwar noch weit entfernt, doch Katlego Mcboe platzt jetzt schon vor Stolz: “I’m really proud of our boys. They held their own on the world stage! Thank you Bafana for making me a proud” (Ich bin sehr stolz auf unsere Jungs. Sie haben sich auf der Weltbühne gut geschlagen. Danke Bafana, dass ihr mich stolz macht”).




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