Public Viewing

Der Ort der Verdammten

19:06 08.06.2010

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    Verbannt aus den WM-Städten? Die südafrikanische Regierung soll Obdachlose aus Kapstadt entfernt haben. Blogger melden: "Dies dient der Säuberung für die Weltmeisterschaft." Angeblich wurden die Obdachlosen nach Blikkiesdorp gebracht - einem Ort der "Schande".

    Obdachlose

    Von wegen Public Viewing: Diese Bilder soll die Öffentlichkeit bei der Fußballweltmeisterschaft in Südafrika nach Möglichkeit nicht zu sehen bekommen. Foto: Ludo29880/Flickr

    “Good morning Africa! It’s good to be alive! Friday is around the corner; blow your vuvuzela! Africa is ready for the world.” (Guten Morgen, Afrika! Das Leben ist großartig! Freitag steht bevor, blast die Vuvuzela! Afrika ist bereit für die Welt) Oluniyi David Ajao zwitschert optimistisch. Er glaubt noch an seinen Kontinent.

    Die Web-2.0-Community tut das nicht. Blikkiesdorp und Tin Can Town. Diese beiden Schlagworte spuken durch das World Wide Web.

    Was sich dahinter verbirgt? Dan Moshenberg  zwitschert es der Community: “Blikkiesdorp. It’s like a concentration camp” (Blikkiesdorp. Es ist eine Art Konzentrationslager). Der Ton ist scharf. Gestern war Blikkiesdorp nur das Synonym für eine Blechhüttensiedlung 20 Kilomter von Kapstadt enfernt. Jetzt steht Blikkiesdorp für ein Konzentrationslager.

    Blikkiesdorp. Immer wieder Blikkiesdorp. Von Säuberung und unverhüllter Armut ist die Rede. David Worth schreibt in seinem Tweet: “Blikkiesdorp used for World Cup clean-up.” (Blikkiesdorp dient der Säuberung für die Weltmeisterschaft)  Die Weltmeisterschaft tritt im Web 2.0 hinter Blikkiesdorp zurück. Der Konsens der Blogosphäre: “Life and death are more important than football” (Leben und Tod sind wichtiger als Fußball).  Mit diesem Slogan lenkt das Displaced and Migrant Persons Support Program auf Armut, Elend und Hunger.

    “That place there is where our boy played football” (Der Platz dort drüben. Da haben unsere Jungs immer Fußball gespielt).  Die beiden Afrikanerinnen blicken unaufgeregt in die Kamera. Und zeigen dabei auf ein verdorrtes Fleckchen Erde. Denn: Sie sind nicht mehr da. Der Fußballplatz. Die Jungs. Und ihre Heimat. “Now it is just an empty place and it doesn’t feel like home no more” (Jetzt ist es ein leerer Platz und fühlt sich nicht wie Heimat an). Willkommen in Blikkiesdorp. Dem Social Web sei Dank.

    Wer sind sie, die Obdachlosen von Blikkiesdorp?

    Das Video, vor vier Monaten erstmals veröffentlicht und nun auf Twitter reaktualisiert,  zeigt Pappschilder. Auf ihnen steht: We are community without freedom (Wir sind Gemeinschaft ohne Freiheit). “We are people with principles” (Wir sind Leute mit Prinzipien), sagt Sarita energisch. Mit der Hand verleiht sie ihren Worten Nachdruck. Würde. Zusammenhalt. Das sind Schlüsselbegriffe im Township außerhalb Kapstadts. Denn:  Blikkiesdorper sind “people that fight together. People that cries together. People that laugh together” (Leute, die zusammen kämpfen, zusammen weinen und zusammen lachen).

    Professor Martin Legassick, Historiker an der Univesity of the Western Cape, weiß um das besondere Gemeinschaftsgefühl unter Obdachlosen:  “What is exceptional about the road people is that they have manage to survive as a community, living on a road” (Die Besonderheit der Obdachlosen ist, dass sie ihr Überleben auf der Straße in der Gemeinschaft sichern müssen).

    Doch wie steht’s um das Verständnis der Europäer?

    „Ich habe selten in Europa Menschen getroffen, die in der Lage sind, die extrem komplexen und widersprüchlichen afrikanischen Wirklichkeiten zu verstehen und einander richtig zuzuordnen. Auch diejenigen wohlmeinenden Europäer, die sich für eines der Länder Afrikas interessieren, etwa weil sie dort ein Entwicklungsprojekt unterstützen, verstehen das, was sie bei Besuchen oder aus Mails, Filmen oder Briefen erfahren, oft zu eindimensional”, sagt Dr. Ben Khumalo-Seegelken auf seiner Homepage. Der evangelische Theologe wurde 1950 in Vryheid (Südafrika) geboren und musste 1975  im Widerstand gegen die Apartheid das Land verlassen. 1979 erhielt er in Deutschland Asyl und ließ sich 1986 einbürgern.

    Doch zurück zu Oluniyi David Ajao. Sein gut gelauntes “Good Morning, Africa! It’s good to be alive!” kommentiert die Blogosphäre scharf: “Cynicism over World Cup in South Africa’s ‘tin-can town’” (Das Zynische an der WM in Südafrika ist die Blechbüchsenstadt), twittert Malcolm Middle. Die Twitter-Gemeinschaft ist sich einig: “World Cup’s concentration camp in South Africa a disgrace” (Das WM-Konzentrationslager in Südafrika ist eine Schande).




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