Township-Projekt
Das Fenster zur Welt
Internet und das Social Web sind eigentlich Fremdwörter für die Kinder in den Townships. Doch mit kostenlosen Computer-Schulungen sollen sie jetzt fit gemacht werden. Denn für sie bedeutet das Web auch: Bildung, Chancen, Zukunft.
Inmitten von Blechhütten, staubigen Wegen, gespickt mit Müllresten, stehen sie: Sechs Computer, die für viele im Township Nyanga, fünf Kilometer vom Flughafen Kapstadt entfernt, die Welt bedeuten.
Es war Anfang Mai, als Justin Farnell die unbepflasterten Straßen von Nyanga betrat und die Zukunft brachte. Hier eröffnete der Medienunternehmer und Internet-Spezialist das erste Internet-Café, das Lagunya Internet Zentrum. “The first of many I hope! (Das erste von vielen Folgenden, hoffe ich!)”, schreibt er auf seinem Blog begeistert. Sechs PCs also, alle mit einem super schnellen Internet-Zugang. Doch Farnells Laden bietet noch mehr: Fotokopien, Drucker, Scanner, ein Faxgerät. Junge Leute, die sich um eine Stelle bewerben, können sich hier einen Lebenslauf erstellen lassen.
Und: Die Kids aus dem Township bekommen kostenlose Schulungen, werden fit gemacht für den Umgang mit dem Internet. Und die sind dankbar für die neuen Möglichkeiten: Auf seinem Blog berichtet Farnell, der selbst ernannte “Sozial-Unternehmer”, von den “sehr positiven Reaktionen” der Bewohner. Auch die Facebook-Gemeinde lobt Farnells Engagement.”Well done J. (Gut gemacht, Justin)”, posted Tabraze Ad auf Facebook. Und Oliver Reavey schreibt: “Good luck with everything J. (Viel Glück mit allem Justin).” Das kann er gebrauchen. Denn Farnells Ziel ist es, bis zum Jahresende insgesamt drei Internet-Cafés im Gebiet Lagyna (das umfasst die drei Regionen Langa, Gugulethu and Nyanga) zu betreiben.
Viele waren an dem Projekt beteiligt: Einer renovierte das heruntergekommene Gebäude, ein anderer organisierte die Computer, ein dritter kümmerte sich um die Internetverbindung. Logo, Ausstattung, Lernkonzept: An alles musste gedacht werden. Bislang hat Farnell die Ausgaben für seinen Laden aus eigener Tasche bezahlt. Doch sollte er an der gegenüber liegenden Schule bald Kurse für die Klassen anbieten, wäre ihm die Unterstützung durch die Stadt wohl sicher.
Immerhin, so schreibt der Geschäftsmann auf Facebook, habe er ja auch Stellen geschaffen, zwei Vollzeit, zwei halbe Stellen. Und so spricht er vom “positive impact towards improving the socio-economic and race relations of the Nyanga township (positiven Einfluss auf die sozio-ökonomischen und ethnischen Beziehungen im Nyanga Township).” Bildung, einen weiteren Blick auf die Welt, mehr Anteil am Weltgeschehen – das könnten die grauen Klapprechner in Nyanga leisten.
Wie die Zukunft im Social Web aussieht, zeigt sich auch inmitten von Blechhütten: Von den Kids, die gelernt haben, wie sie online gehen, besuchen 80 Prozent als erstes die Facebook-Seite. Mit den sechs Computern, die für sie die Welt bedeuten.
