Rassismus

Der Hass der Weißen

12:06 14.06.2010

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    Gewalt, Vergewaltigung, Überfälle: Für viele weiße Rassisten in Südafrika sind das die Themen der Schwarzen. In ihren Blogs schreiben sie vom "Niedergang" ihrer einst so "blühenden Nation". Und wenn am Montag Holland in Südafrika kickt, offenbart die Blogosphäre den großen Kampf, der eigentlich dahinter steckt: Den der weißen Buren gegen die Schwarzen.

    In Südafrika ist derzeit die Welt zu Gast bei Freunden. Auch die Niederländer. Sie spielen Fußball – auf afrikanischem Boden. Und wegen Südafrikas kolonialer Vergangenheit ist das nicht einfach nur irgendein Spiel. Im Finale könnte die ehemalige Kolonialmacht Holland auf das Gastgeberland treffen. Die Netzwelt ist verunsichert, was von diesem Zusammenstoß zu erwarten ist. henk_truijen fragt in die Twitterrunde: “Holland is also going all the way to the final! Holland against Bafana Bafana…what do you think?” (Holland wird es auch bis ins Finale schaffen! Holland gegen Bafana Bafana … was meint ihr?).

    Schwarz gegen Weiß. Kaum ein anderes Thema beherrscht und spaltet das Land noch immer so sehr. Und auch wenn die WM die Nation eigentlich zusammenführen sollte: Gerade jetzt, da das Land am Kap die Welt zu Gast hat, lodert der Rassenhass so stark auf wie selten zuvor. In einer Zeit, in der der Sport der Schwarzen im Mittelpunkt steht, regen sich die Hass-Tiraden einiger weißen Buren. Denn: Sie fühlen sich nach eigener Aussage bedroht und verdrängt. Auf dem Blog nidinfo etwa werden die weißen Besucher der Meisterschaft vor der “Rache der Schwarzen” gewarnt: “Weiße Schlachtenbummler werden eine böse Überraschung erleben. Denn Vertreter der schwarzen Regierung haben ganz offiziell dazu aufgerufen, Weiße zu ermorden. Das verschweigen westliche Medien aus Gründen der politischen Korrektheit. Doch die weißen Schlachtenbummler sollten wissen, dass nun in Südafrika möglicherweise ein Schlachtfest auf sie wartet.” [http://nidinfo.wordpress.com/2010/04/06/fusball-wm-2010-sudafrika-schlachtfest-fur-weise-schlachtenbummler]

    Die “unbekannte Seite” Südafrikas

    Als Grund führen die Verfasser sämtlicher Blogs die “unbekannte Seite Südafrikas” an, die ihnen zufolge niemand kennt. Das heißt in ihrem Verständnis: “Die rassistische schwarze Partei ANC, die Schwarze offiziell zum Rassenhass gegen Weiße aufstachelt.” Ein anderer Buren-Blog ruft sogar zum Boykott der WM auf. Auf ihrer Seite haben die Autoren einen Banner eingebaut: “Fifa 2010: A celebration of genocide.” (“WM 2010: Eine Feier des Genozid.”) [http://dienuwesuidafrika.blogspot.com]

    In einem angefügten Video hetzt der weiße Kommentator gegen den schwarzen Namesgeber des Peter-Mokaba-Stadions in Polokwane. Peter Mokaba: der ehemalige ANC Jugendführer, den rassistische Weiße für seinen “Aufruf gegen die Farmer und Buren” verantwortlich zeichnen. In einem angefügten Video sagt der burische Kommentator: “Die Fifa hätte auch nie zugelassen, wenn an einem anderen WM-Austragungsort ein Stadion nach Adolf Hitler oder Heinrich Himmler benannt worden wäre. Nur in Südafrika geht das.” Mit “Ausrottung” meinen die faschistischen Buren: “Ten of thousands of whites have been murdered since 1994. Brutal torture and rape is common and not even the young or elderly are spared.” (Zehntausende Weiße wurden seit 1994 umgebracht. Gewalt und Vergewaltigung sind an der Tagesordnung, und nicht einmal die Jungen und Älteren werden ausgespart.”) [http://dienuwesuidafrika.blogspot.com/]

    Angst vor der “schwarzen Vorherrschaft”

    Viele rassistische Blogs schreiben über den “Genozid” an den weißen Südafrikanern. So schreibt der Buren-Blog stormtroep: “Now Genocide in “”peacetime”” is a far greater crime in my viewpoint than Genocide in war time.” (“Genozid in “Friedeszeiten” ist ein viel größerer Skandal als Genozid in Kriesgzeiten”.) [http://stormtroep.iblog.co.za/2010/06/]. Das Gefühl teilen viele weiße Rassisten im Land. Das Blog dienuwesuidafrika prangert die “extreme violence and secret genocide being committed agains the white minority of South Africa” (die extreme Gewalt und die geheime Ausrottung gegen die weiße Minderheit in Südafrika) an. [http://dienuwesuidafrika.wordpress.com/]

    Denn sie bedauern den Verlust ihrer “weißen Vorherrschaft” in einem Land, das sie sich von jeher selbst zuschreiben. So liest man auf dem faschistischen Blog Pro-Afr der Pro-Afrikanischen Aktions Gruppe (PRAAG) über die “propagandistische Berichterstattung” der nationalen (von Schwarzen dominierten) Medien zum Auftakt der WM. Dem Blog zufolge nutzt der ANC die WM lediglich, um seine Dominanz im Lande zu zeigen. So erfährt man hier: “This purely political propaganda wasn’t about sport at all – everything was a political message which the ANC-regime wants to convey, namely the message of Black Surpremacy – which also means the exclusion of any of the many other races who also live in South Africa. ” (“Diese rein politische Propaganda ging nicht um Sport – alles hatte eine politische Bedeutung. Es ging um die schwarze Überlegenheit – was auch den Ausschluss jeder anderen Rasse in Südafrika bedeutet.”) [http://www.praag.co.za]

    Viele rassistische Blogger beklagen den scheinbaren “Untergang” ihres Landes seit dem Ende der Apartheid. Auf dem Blog southafricasucks lässt sich die nazistische Logik dezidiert nachlesen: “This blog chronicles the slide of a once magnificent, thriving First World country into that of a crime ravaged, Stalinist turd world hell hole.” (Dieses Blog zeigt auf, wie sich das einst so herrliche, blühende Erste- Welt-Land in eine Gewalt-gebeutelte, stalinistische Hölle verwandelt hat.”) [http://boerboel1.wordpress.com/about/]

    “Südafrika spielt für unsere Rasse”, twittert Antonio Pullen zu Recht. Denn der Blick in diese Blogs zeigt: Südafrika ist in den Tagen der WM von Toleranz und Verständigung so weit entfernt wie selten zuvor.

    Hinweis:

    Wir haben uns in der Blogosphäre umgeschaut – und einige der zentralen Aussagen von einschlägigen rassistischen Blogs zusammengetragen. Da wir uns vom Inhalt distanzieren, verlinken wir bewusst nicht auf diese Seiten. Wir setzen die Internet-Adressen lediglich in Klammern hinter den Text.

    Die Geschichte des Rassismus in 18 Teilen

    • Als Apartheid wird eine Periode der institutionalisierten Rassentrennung in Südafrika bezeichnet. Der Begriff ist dem Afrikaans entlehnt und bedeutet soviel wie „getrennt, einzeln, besonders“. Sie beginnt Anfang des 20. Jahrhunderts, hat ihre Hochphase von den 1940er bis zu den 1980er Jahren und endet 1994 nach einer Periode der Verständigung mit einem Regierungswechsel.
    • Der Konflikt, der hinter der Apartheid steht: die Auseinandersetzung zwischen den zugewanderten Bevölkerungsgruppen der Bantu, niederländischen Buren und Briten und später auch der Farbigen und Indischstämmigen.
    • Wie alles beginnt: Im 15. Jahrhundert errichten portugiesische Seefahrer Niederlassungen an der Küste. 1652: Der Holländer Jan van Riebeeck gründet am Kap der Guten Hoffnung eine Versorgungsstation für Schiffe. Heute heißt dieser Ort: Kapstadt. Die Niederländer, nach ihrer Sprache ab dem 18. Jahrhundert als Buren bekannt, dringen ins Landesinnere ein. 1779-1879: Die Buren kämpfen in neun Kriegen gegen den ansäßigen Stamm der Xhosa - die den Weißen unterliegen.
    • 1910: Gründung der Südafrikanischen Union. Sie ist ein Kontrollinstrument der Weißen. Schwarze wie auch Farbige und Asiaten erhalten kein Wahlrecht. Auch ist jeglicher sexueller Kontakt zwischen den unterschiedlichen als „Rassen“ bezeichneten Bevölkerungsgruppen verboten.
    • 1911: Der "Mines and Works Act" legt die ungleiche Behandlung der Weißen und Schwarzen in der Wirtschaft fest.
    • 1913: Der Natives Land Act wird verabschiedet. Die Folge: Die schwarze Bevölkerung darf Land nur noch in den ihr zugewiesenen Reservaten erwerben. Damit wird versucht, den Landerwerb durch die schwarze Bevölkerung außerhalb jener Gebiete zu stoppen, die von der Regierung für die Ansiedlung der Weißen vorgesehen waren.
    • 1948: Die Nationale Partei gewinnt die Parlamentswahlen. Sie bleibt danach bis 1994 an der Macht. Das dunkle Erbe: Die Nationalisten sympathisierten offen mit den deutschen Nazis. Die Nationale Partei spitzt die Rassentrennung zu. Sie unterteilt die südafrikanische Bevölkerung in vier ethnisch differenzierte Gruppen: Weiße, Schwarze, Farbige und Asiaten. Die Zuordnung erfolgt nach bestimmten Kriterien - und ist oft willkürlich. Die Rassenordnung bestimmt fortan das gesamte Leben.
    • 1950: Der Group Areas Act wird erlassen und schreibt die Trennung der Wohngebiete fest. An öffentlichen Orten herrscht eine strikte Trennung von Weißen und Nicht-Weißen. Mischehen sind verboten. In städtischen Gebieten werden getrennte Wohnbereiche für die verschiedenen Rassen geschaffen. Schwarze müssen außerhalb ihrer Reservate einen Pass tragen. Die in den Städten arbeitenden Schwarzen werden als Gastarbeiter akzeptiert. Sie leben in so genannten Townships am Stadtrand.
    • 1953: Der Bantu Education Act wird verabschiedet. Damit wird die Kontrolle über die Bildung der Schwarzen vom Bildungsministerium auf das Native Affairs Departement übertragen. Das Ziel: Die Schwarzen zu körperlicher Arbeit auszubilden. Statt Mathe und Englisch sollen sie in Landwirtschaft geschult werden.
    • Die Apartheid ist im Alltag voll angekommen: Schwarze dürfen sich nur in den ihnen zugewiesenen Parks, in separaten Abteilen in öffentlichen Verkehrsmitteln aufhalten und müssen getrennte Schulen besuchen. Schilder kennzeichnen die Trennung unmissverständlich. So haben Krankenhäuser, Postgebäude, Rathäuser, Banken und Toiletten meist zwei, durch Schilder gekennzeichnete Eingänge.
    • Durch die so genannte Homeland-Politik sind Millionen Schwarze gezwungen, ihrer Ethnie entsprechend in einem der zehn Homelands zu leben. In jeder Stadt gibt es von nun an getrennte Wohngebiete und verschiedene Schulsysteme mit unterschiedlich qualifizierten Lehrern.
    • 1960: In den Kirchen und Schulen der USA entsteht die Black-Power- oder so genannte Black-Consciousness-Bewegung. Künstler wie Miriam Makeba engagieren sich für einen weltweiten Boykott des Apartheidregimes. Die Folgen des neuen Bewusstseins sind heftige Studentenunruhen.
    • 1976: Schüler in Soweto boykottieren den Unterricht. Sie rebellieren gegen die Zwangseinführung der bei Schwarzen verhassten Sprache Afrikaans. Die nun folgenden Unruhen verunsichern das Land. Daraufhin werden einige unbedeutende Gesetze der Apartheid gelockert, um dem Unmut der Schwarzen zu begegnen.
    • 1976: Die Vollversammlung der UN lässt die 1973 angenommene „Konvention zur Bekämpfung und Ahndung des Verbrechens der Apartheid“ in Kraft treten. Ihre Präambel betont, dass die Apartheid als Verbrechen gegen die Menschlichkeit einzustufen sei.
    • 1985-90: Die zunehmend verbesserte Organisation der nicht-weißen Opposition, die in den 1980er Jahren faktisch die Verwaltung der Townships übernimmt, führt zum permanenten Ausnahmezustand.
    • 1989: Frederik Willem de Klerk wird südafrikanischer Staatspräsident. De Klerk nimmt Verhandlungen mit dem noch immer inhaftierten Nelson Mandela auf, dem damaligen Führer des African National Congress (ANC). Mandela kommt 1990 frei. De Klerk hebt wesentliche Gesetze auf, die als Pfeiler der Apartheid gelten.
    • 1990-94: Die verbliebenen Gesetze der Rassentrennung werden beseitigt. Alle Südafrikaner, egal ob schwarz oder weiß, können sich frei und ohne Restriktionen bewegen. 1994 kommt es zu den ersten Wahlen Südafrikas unter Beteiligung der schwarzen Bevölkerungsmehrheit. Der ANC gewinnt mit 62,6 Prozent überragend. Mandela wird zum ersten Präsidenten im neuen System ernannt.
    • Heute: Doch noch immer gibt es Rassismus und Diskriminierung. In Orania gibt es eine kleine Gemeinde von Buren, die sich als neue Keimzelle eines südafrikanischen Burenstaates sehen und offen für die Wiedereinführung der Apartheid einstehen.



    Kommentare:

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    1. 09:06 Uhr, 15.06.2010
      Derrick

      You paint a very one sided picture. Your views that you put accross in the article are only partly substaniated by the quotes from the blogs and in some cases not at all. You make it sound as if all afrikaans speaking whites are facist racists which is really rich coming from a German who should know better – I am sure you would be upset if a reporter portrayed all Germans to be neo-nazis.

      You use the quotes in your own context to portray some form of racial hatred although none of the quotes are in fact racist. You mention Peter Mokaba and that white people are upset with the naming of the stadium but you fail to mention that Peter Mokaba is famous for publicly leading songs and chants calling for the extermination of white South Africans in a time where the ANC was involved in a militant bombong campaign that claimed many civilian casualties. You also fail to mention that the now president of the ANC-YL has been charged in court only a few weeks ago for hate speech after publicly leading people in singing songs calling for the murder of white farmers, you fail to mention that other high ranking ANC members and members of government have done the same and have defended there members for singing this song, all this while the murder rate of white farmers are 2700% higher than the national average.
      This article is as narrow minded and prejudice as the racist blogs you complain about. Really quite pathetic.

      • 18:06 Uhr, 16.06.2010
        Andrea Backhaus

        Unser Beitrag enthält nicht die Aussage, dass alle Weißen in Südafrika per se auch Rassisten sind. Wir sprechen deshalb bewusst und explizit von den rechtsextremen Buren, ohne zu pauschalisieren. Wir sind uns vollkommen bewusst, dass wir hier nur einen kleinen Ausschnitt zum Thema Rassismus in Südafrika aufzeigen. Wir machen darum auch bereits im Einstieg deutlich, dass es uns mit diesem Artikel nicht darum geht, alle Aspekte zu vermitteln. Dass es in Südafrika auch Rassismus gegen Weiße gibt, ist uns vollkommen klar. Wir gehen darauf auch an anderer Stelle ein. Dass die Zitate aus den Blogs zudem auch nur eine bestimmte Sichtweise spiegeln, versteht sich von selbst. Auch, dass wir uns in aller Form von diesen Inhalten distanzieren.

    2. 17:06 Uhr, 15.06.2010
      Dingiswayo

      Unglaublich, wie der Rechtsextremismus in Südafrika als represäntativ für die Weißen präsentiert wird. Genau so wäre es, wenn einer schrieben würde, die NPD spricht für alle Deutsche, und Udo Voigt wird der nächste Kanzler.

      Und für so einen Schwachsinn wir der Autor bezahlt?

      Welt Online sollte sich schämen.

    3. 01:06 Uhr, 16.06.2010
      Chirs

      Oh so horrible. But Germans are of course so much better, and can teach the world how to think right.
      “Am deutschen Wesen soll die Welt genesen”.
      The attitude does not change, just the color on the flag.
      In Germany one hears the word “gut-mensh”