Unterrichten in Südafrika

Die fliegende Lehrerin

10:06 13.06.2010

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    Wenn sie in die Schule fährt, verriegelt sie ihre Autotüren von innen. Täglich ist Verena Quentin als Lehrerin in Kapstadt mit Kriminalität und Rassismus konfrontiert. Weshalb sie sich trotzdem keinen besseren Job vorstellen kann, erzählt sie in einem Skype-Interview.

    "Deutschland vor, noch ein Tor!" Die Farben in der Flagge stimmen schon, bei der Reihenfolge hapert's noch. Schüler an der Camps Bay Primary School. Fotos: Verena Quentin. "Deutschland vor, noch ein Tor!"

    [14:51:05] veri:huhu silke, bin da.

    [14:51:44] me:hey! grüße nach kapstadt …

    [14:51:59] veri: ja, danke.

    [14:52:24] me: wie kommt’s eigentlich, dass du als lehrerin in kapstadt arbeitest?

    [14:54:15] veri: ich habe 2001 mein erstes schulpraktikum in johannesburg an der deutschen schule gemacht und hatte da auch die möglichkeit, in soweto zu unterrichten. Seitdem gibt es den innigen Traum, hier als lehrerin zu arbeiten.

    [14:54:57] me: an was für einer schule unterrichtest du?

    [14:55:56] veri: gerade unterrichte ich 2 mal die woche an der Camps Bay Primary, das ist eine grundschule von der 1. – 7. klasse. mittags bin ich im tutoring businees, ich arbeite als  “fliegende lehrerin” mit 7 eigenen kindern, denen ich bei hausaufgaben und study skills helfe.

    [14:58:08] me: wie sind deine klassen denn so zusammengesetzt?

    [15:01:43] veri: pro klasse gibt es rund 5 kids aus den townships. Da alle schulen hier schulgeld verlangen, und dazu noch Uniform und Bücher kommen,  ist das für einige eltern hier ganz schön hart. die Camps Bay Primary ist eine gute öffentliche Schule. Die mütter von den schwarzen, oder coloured Kids aus dem Township sind oft als maids bei den reicheren weißen familien angestellt, die das schulgeld übernehmen.

    [15:03:01] me: heißt das, es gibt eine feste quote für schwarze und coloured kids pro klasse? ist das staatlich festgelegt?

    Verena Quentin

    Verena ist 29 Jahre alt und hat in Freiburg Realschullehramt studiert. Nach ihrem Referendariat arbeitete sie drei Jahre lang in Stuttgart an einer Schule mit hohem Migrantenanteil, bevor sie Deutschland den Rücken kehrte. Im Oktober 2009 packte sie ihr Leben in einen Rucksack und zog nach Kapstadt, um dort als Lehrerin zu arbeiten. In ihrer Freizeit fährt sie am liebsten mit ihrem Käfer durch die Gegend oder lümmelt am Strand.

    [15:04:49] veri: nein! das ist von der wohngegend abhängig. Camps Bay ist eine weiße, reiche gegend und deswegen sind in den klassen so wenige schwarze kinder. wenn man nach hanover park geht, wo ich behinderten kids  fussballgesänge beigebracht habe, sind es REIN schwarze Klassen. in der gegend wohnen fast nur schwarze, sie gilt als eher “gefährlich”.

    [15:07:26] me: von diesem unterricht gibt es ja auch bilder: was genau hast du den kids denn da beigebracht?

    [15:10:33] veri: jede klasse hat ein WM -land vertreten, diese Klasse hatte deutschland gezogen. es ist eine so genannte UNIT CLASS, eine klasse also, wo alle behinderten kids aus dem Umkreis sich sammeln und speziellen unterricht bekommen. die flaggen haben sie, wie man sieht, ohne meine hilfe gemalt. ich habe ihnen dann ganz einfach sätze wie “Guten Tag” , “Wie geht es dir” und “Auf gehts Deutschland, auf gehts”  für die WM beigebracht. war echt ein gänsehaut-erlebnis … die kinder wollten alle durch mein “golden hair” streicheln, weil es nicht oft vorkommt, das sich eine weiße dorthin verirrt.

    [15:11:07] me: inwiefern ist rassismus denn thema an der schule?

    [15:13:28] veri: es kommt auf die wohngegenden hier an, weiß und schwarz sind da schon noch getrennt. Die schulen in den reicheren, also weißen gegenden verlangen mehr schulgeld, haben also auch mehr mittel und eine bessere ausbildung. die schulen in gegenden wie hannover park sind ärmer, es fehlt überall, die kids haben oft zerfetzte schuluniformen an und kommen mit hungrigem magen zur schule.

    [15:14:34] me: was ist sonst noch anders an schulen in südafrika im vergleich zu deutschland?

    [15:16:39] veri: es ist alles ein bisschen einfacher hier: angefangen vom unterichtsstoff bis hin zu den Unterrichtsmitteln und auch den klassenzimmereinrichtungen. auch von einem methodencuriculum ist hier noch nichts zu sehen… es fehlt an geldern und unterstützung vom staat, traurig aber wahr.

    [15:17:15] me: möchtest du denn in südafrika bleiben?

    [15:18:52] veri: ja, unbedingt. es war mein traum und den lebe ich jetzt. hier kamm man viel helfen und erreichen wenn man voller motivation und Idden steckt.

    [15:20:04] me: du hast ja grad schulferien. was machst du, genießt du die WM?

    [15:21:44] veri: ich arbeite … :) also keine ferien für mich! da ich an den schulen ehrenamtlich arbeite, muss ja irgendwo das geld herkommen. ich arbeite an 2 verschiedenen bars direkt beim fanpark, eine gute abwechslung zum Lehrerinendasein und die “durststrecke” ferien sind somit finanziert.

    [15:22:36] me: heißt das, du  bekommst für deinen unterricht überhaupt kein geld?

    [15:23:17] veri: nein, ich finanziere mich gerade über mein tutoring business, also meine privaten schüler.  es reicht gerade so um die miete zu zahlen … zum glück habe ich viele freunde hier, da hilft man sich gegenseitig aus…

    [15:25:00] me: deine schicht in der bar fängt gleich an, ich will dich nicht länger aufhalten. nur eine frage noch: wer wird denn weltmeister?

    [15:25:45] veri: na, entweder bafana bafana oder die deutschen :) mein herz schlägt für beide.

    [15:27:12] me: spricht ja nichts dagegen, beiden die daumen zu drücken. vielen dank für das interview ….

    [15:27:33] veri: gern geschehen und liebe grüße nach deutschland.




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