Flüchtlinge

Die verfluchte Straße der Hoffnung

23:06 14.06.2010

Drucken


Quellen und Weiterführendes:


Top-Artikel
Heute meistgelesen:

Sorry. No data so far.

Themen
Durban Fans Fußball Johannesburg Kapstadt Südafrika twitter Vuvuzela Web 2.0 WM

    Twitter

      Tweets konnten nicht geladen werden

    YouTube
    Mehr Videos

    Videos werden gesucht...

    Flickr
    Mehr Bilder

    Bilder werden gesucht...


    Sie fliehen in Richtung Südafrika: Flüchtlinge aus Simbabwe. Elisabeth ist eine von ihnen. 39 Jahre alt, Tabakverkäuferin. Wir konnten sie nicht persönlich treffen. Aber sie hat sie uns alles via Skype erzählt - ihre Geschichte. Der Methodistenbischof Paul Verryn und Ärzte ohne Grenzen haben ihr geholfen. Ihr Gesicht können wir nicht zeigen - zu gefährlich. Aber ihre Flucht und ihr jetziges Leben haben wir dokumentiert. Entstanden ist eine Social Web-Reportage. Das heißt, jedes Element - Audio, Video, Bilder - erzählt einen Teil dieser beeindruckenden Geschichte.

    Eine lange Reihe männlicher Flüchtlinge wartet am Grenzübergang Musina von Simbabwe nach Südafrika, auf ihre Registrierung. Foto: Darryl Evans/MSF

    Als Simbabwe am Boden lag, packte Elisabeth ihre Tasche. Ihre Heimat hatte ihr nichts mehr gegeben – sogar alles genommen. Leere Regale, Gewalt und Unterdrückung: 1998 hatte Präsident Robert Mugabe das Land an den Rand des Ruins gebracht. Für Elisabeth schien die Lage besonders ausweglos. Als Miglied der Oppositionspartei “Bewegung für den Demokratischen Wandel” (MDC) war sie immer wieder Folter, Vergewaltigung und Verfolgung ausgesetzt. Um fünf Kinder musste sich die damals 28-Jährige kümmern.

    Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

    Ihr Mann floh bereits einige Jahre zuvor, sie sollte ihm nun folgen. Sie versprach sich viel von Südafrika: Sicherheit, einen Job und eine Zukunft für ihre Kinder. Doch schon der Weg dahin zeigte ihr, wie schwer das neue Leben sein würde.

    Den meisten Flüchtlingen geht das so. Sie stranden in Flüchtlings- und Auffanglagern. Verbringen Monate in provisorischen Zelten. Mit Hunger und Seuchen. Sie versuchen sich einen Alltag aufzubauen, in der Hoffnung auf ein neues, besseres Leben in Südafrika. Viele schaffen es nicht, werden abgeschoben. Drei Millionen simbabwische Flüchtlinge leben derzeit in Südafrika, 150.000 kommen jährlich hinzu.

    Elisabeth konnte beweisen, dass ihr Mann in Johannesburg mit den Kindern wartete, dass sie verfolgt wird von Mugabes Schergen. Sie bekam Asyl und durfte nach Johannesburg.

    Eine Frau aus Simbabwe und ihr Kind in einem Sanitätszelt von Ärzte ohne Grenzen an der Grenze in Musina. Viele Kinder sind von der Flucht ausgezehrt. Foto: Darryl Evans/MSF

    Die neue Heimat ist ein Kirchenasyl

    Die “Central Methodist Church” in der Pritchard Street, Downtown Johannesburg, bietet seit 20 Jahren Asyl für Obdachlose und Hilfesuchende. Meistens sind es Flüchtlinge aus den angrenzenden Ländern, die hier Schutz vor Übergriffen suchen. Methodisten-Bischof Paul Verryn hat die Türen für die Verfolgten aufgemacht. 2000 Menschen schlafen jede Nacht auf sehr beengtem Raum. Doch wie für Elisabeth ist es das einzige Zuhause, das sie haben.

    Bischof Verryn und seine Kirche sind nicht unumstritten. Er lasse den Ort in ein armseeliges, unhygienisches Nest für Kriminelle und Sexualtäter verkommen. Andere preisen ihn als das Beste, was den Flüchtlingen, Obdachlosen und Straßenkindern passieren konnte. Im Januar kochte die Situation zuletzt hoch. Verryn wurde von seiner Kirche abgemahnt und Untersuchungen gegen ihn eingeleitet. Doch Verryn bleibt seiner Linie treu, denn seine Flüchtlinge stehen für ihn ganz oben.

    Musikvideo: Adobe Flash Player (Version 9 oder höher) wird benötigt um dieses Musikvideo abzuspielen. Die aktuellste Version steht hier zum herunterladen bereit. Außerdem muss JavaScript in Ihrem Browser aktiviert sein.

    Auch die Blogosphäre in Südafrika ist sich einig: Paul Verryn gehört zu einer aussterbenden Sorte Mensch: den Altruisten – ohne die es Elisabeth und ihr Mann vielleicht nicht geschafft hätten.

    Der Blogger Katlego Moeng schreibt: “Paul Verryn is a member of the dying breed of activist priests. A church minister since he was 21, Verryn says all he ever wanted was to fight for – and with – the poor.” (“Paul Verryn ist ein Mitglied der aussterbenden Brut von Aktivistenpriestern. Ein Priester seit er 21 ist, der sagt, das einzige was er immer wollte, sei für und mit den Armen zu kämpfen.”)

    “I ask people to pray for Paul Verryn and other Methodist leaders, and also for the refugees who have been staying at the church”, schreibt der christliche Blogger Khanya. (“Ich rufe die Menschen auf, für Paul Verryn und andere Methodisten zu beten. Und natürlich für die Flüchtlinge, die in der Kirche leben.”)

    Gladys Ganiel schreibt: “Further, there does not seem to be any other place for the refugees to go and many refuse to leave the church, where they have received shelter and skills training.” (“Außerdem scheint es keinen anderen Platz für die Flüchtlinge zu geben und viele weigern sich, die Kirche zu verlassen, wo sie eine Unterkunft und Unterstützung erhalten haben.”)

    Die Flüchtlinge sitzen im Schatten der Gesellschaft

    Elisabeth hat es damals, vor zwölf Jahren, gewagt. Den Weg über die Grenze nach Südafrika, das Leben auf dem Boden hinter dem Grenzzaun. Jährlich nehmen Zehntausende diese entbehrliche Reise aus Simbabwe in ein neues Leben auf sich – auch wenn die Qualen auf der anderen Seite des Zauns weitergehen. Denn auch in Südafrika werden sie verfolgt und misshandelt. Denn die Südafrikaner haben Angst, dass ihnen die Flüchtlinge die Arbeit und den Wohlstand wegnehmen.

    Doch genau wie für Elisabeth, ist es für die Flüchtlinge trotzdem die richtige Seite:

    Elisabeth hat Angst vor Simbabwe, aber auch vor ihrer Situation in Südafrika. Sie will ihren Kindern eine Zukunft geben, aber sie weiß noch nicht einmal wie ihre eigene aussehen wird. Nur Pläne hat sie, für einen Flüchtling große Pläne: “Ich möchte noch einmal studieren. Ich will mehr lernen, damit, wenn ich jemals nach Simbabwe zurück muss, ich mein Wissen an andere weitergeben kann – um unser Land zu verändern.”

    Das Flüchtlingsdilemma in Fakten

    • Rund 3 Millionen Flüchtlinge aus Simbabwe leben derzeit in Südafrika
    • Die meisten von ihnen sind als Asylsuchende registriert. Die Südafrikanische Regierung vergibt kaum Bleibeerlaubnisse
    • Jedes Jahr kommen weitere 150.000 neue Flüchtlinge hinzu
    • Die Flüchtlinge sind verhasst in Südafrika. Denn das Bildungssystem in Simbabwe war lange Zeit besser, als in Südafrika
    • Deshalb haben die Südafrikaner Angst, die Flüchtlinge würden ihre Jobs klauen
    • In den vergangenen zwei Jahren eskalierte die Situation mehrfach. Flüchtlinge wurden zu Tode geprügelt oder bei lebendigem Leib verbrannt
    • Ausländerfeindlichkeit ist ein lange gewachsenes Problem in Südafrika, auch weil das eigene Volk lange selbst unterdrückt war
    • Aus Simbabwe sind in den vergangenen fünf Jahren rund 3,4 Millionen Menschen geflohen
    • Das entspricht einem Viertel der Gesamtbevölkerung
    • Das Flüchtlingshilfswerk der Vereinten Nationen spricht von einem Bevölkerungsexodus
    • Grund ist die Politik Robert Mugabes, der seit 1980 das Land regiert
    • War Mugabe einst als Held der Unabhängigkeit gefeiert, gilt er heute weithin als Tyrann
    • Im Jahr 2008 verlor Mugabe die Präsidentschaftswahl, akzeptierte die Niederlage aber nicht und blieb im Amt



    Kommentare:

    Melde dich mit deinem Facebook Account an:






    Bisher wurde kein Kommentar abgegeben.