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Platzverweis für Obdachlose

Südafrika ist bereit. Präsident Jacob Zuma verspricht: Ab dem 11. Juni ist hier die Welt zu Gast bei Freunden. Armut, Hunger und Elend spielen bei der Weltmeisterschaft dann aber nicht mit. Die Regierung verbannt Obdachlose des Spielfeldes - in Blechhüttensiedlungen außerhalb der Spielorte.

Trail of Hope Foundation

Hoffnung geben: Tendai Sean Joe kümmert sich in Pretoria um Obdachlose und Straßenkinder. Foto: Trail of Hope Foundation/Facebook.

Blikkiesdorp heißt der Ort. 20 Kilometer liegt das Township vom Green Point Stadion in Kapstadt entfernt. 9000 Obdachlose seien schon dort. 64 Hütten sollen noch leer stehen. Die genauen Zahlen sind unbekannt, doch die Web-2.0-Community ist empört, denn sie vermutet: Bis zum Auftakt der Fußballweltmeisterschaft am 11. Juni werden alle Notunterkünfte gefüllt sein. Andrew Twaddle informiert seine Follower in seinem Tweet über das Camp der Unerwünschten: “About to head off to Blikkiesdorp  – a camp for ‘undesirables’ that have been moved out of Capetown for the WorldCup” District9.” (Blikkiesdorp – ein Camp für die Unerwünschten, die für die WM aus Kapstadt ausgesiedelt werden.)

Blikkiesdorp: Ein Blick hinter den Stacheldraht des Camps.

“South Africa declares itself ready for World Cup. South Africa declared itself ready today to stage the first” (Südafrika ist nach eigenen Angaben bereit für die WM)  zwitschert Mary. Ihr Tweet trieft vor Ironie. Blikkiesdorp ist das neue Reizwort auf Twitter. “So ist das halt. Die Stadt reinigt ihre Straßen von Obdachlosen”, postet Marc Pfeil in seinem Tweet. Ernüchterung ja, Resignation nein. Valeria Veo kündigt auf Twitter weitere Informationen an: “About to head off to Blikkiesdorp – a camp for ‘undesirables’ that have been moved out of Capetown for the World-Cup – blogs to come!”  Die Reaktionen gleichen sich: “About to head off to Blikkiesdorp – a camp for ‘undesirables’ moved out of Capetown for the World-Cup – blog soon.” Nicht nur Suheil Damouny beäugt die Geschehnisse in Kapstadt in seinem Tweet kritisch.

Die Stadtverwaltung von Kapstadt wehrt sich gegen die Anschuldigungen aus der Blogosphäre, von Nichtregierungsorganisationen und Kirchen. “Wir haben keine einzige Person gegen ihren Willen nach Blikkiesdorp gebracht”, wird Pieter Cronje, Sprecher des WM-Programms in Kapstadt, auf domradio.de zitiert. Auf den Vorwurf von Zwangsvertreibung und Säuberung reagierte er wütend: “Wir verstecken doch nichts vor den Touristen, wir leugnen die Armut in unserem Land auch nicht.”

Amnesty International sieht das anders. Die Menschenrechtsorganisation kritisiert die Polizei in Johannesburg. Der Vorwurf: Die Ordnungskräfte gingen gerade in Stadionnähe gegen Obdachlose, Straßenhändler und Migranten vor. Konkret: “Zur Schikane zählen Polizeirazzien, willkürliche Festnahmen, Misshandlung, Erpressung sowie die  Zerstörung inoffizieller Behausungen.”

Pretoria. Auch hier gibt es Streit um die Fanmeilen. Doch statt auf Vertreibung setzt Thami Banda auf Integration. Gemeinsam mit der Tshwane Leadership Foundation, einer Kooperation verschiedener Kirchen, organisiert der WM-Organisator im Burgers Park eine Fanmeile. Sowohl die offiziellen WM-Sponsoren als auch einheimische Kleinhändler sind hier zugelassen.

Das gefällt. Und gibt Grund zu Hoffnung. 1930 Mitglieder folgen der im April 2009 gegründeten non-profit Organisation Trail of Hope Foundation auf Facebook. Ihr Gründer: ein ehemaliges Straßenkind. Tendai Sean Joe kämpfte sich aus eigener Kraft aus den Slums von Südafrika. Sein Anspruch: “We believe young people have the potential and power to change the world for the better. They have the ability to assess the unique needs of their communities and to create meaningful change. We aim to support young people leading positive change.” (Wir glauben, dass junge Leute das Potenzial und die Kraft haben, die Welt zum Besseren zu verändern. Sie haben die Fähigkeit, die einzigartigen Bedürfnisse ihresgleichen zu beurteilen und nachhaltigen Wandel herbeizuführen. Diese jungen Leute wollen wir unterstützen.) Seine Worte machen Mut. Und werden regelmäßig gelesen. 1930 Mitglieder verbucht seine Organisation auf Facebook, 4.589 Freunde sind auf seinem persönlichen Facebook-Profil registriert und sein Twitter-Gezwitscher lesen 2.873 Follower.

Der Mann findet Gehör. Doch hat er auch Einfluss?

Ein Blikkiesdorp hat er dem Anschein nach in Pretoria bisher wohl verhindert. Doch die Blogosphäre wird auch weiterhin die Entwicklung an diesem Spielort kritisch verfolgen. Denn im Social Web ist Blikkiesdorp nicht ausschließlich an Kapstadt gekoppelt. Für Garlic Toothpaste und die Web-Community steht das Camp für alle “victims of the world cup”.

“Wir haben das Stadion gebaut”: Die Arbeiter in Kapstadt erzählen.




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