Khayelitsha Township

Stimmen aus dem Nichts

19:06 16.06.2010

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    Auch in Khayelitsha herrscht WM-Freude. Die sieht nur keiner. Denn die Geschichte der Menschen im Township ist eine der Ausgrenzung. Und selbst nach dem Ende der Apartheid vor 16 Jahren haben sich die Lebensbedingungen nicht verbessert.

    Jubel auf den Straßen, ausgelassen feiern die Menschen im Johannesburger Stadion. Gerade fällt das erste Tor der ersten Weltmeisterschaft auf afrikanischem Boden. Geschossen von einem Spieler der südafrikanischen Nationalmannschaft. Von einem Schwarzen. Die Menschen im Township Khayelitsha jubeln. Es geht um ihr Land, ihren Stolz, einen Stolz, den kein Europäer je verstehen kann. Nwabisa Jamekwana berichtet: “The excitement is here in the townships too. We have our flags, our caps, our second hand sport shirts. All that is missing are the games.” (Die Aufregung spüren wir hier auch im Township. Wir haben Flaggen, Mützen, T-Shirts. Allein was fehlt, sind die Spiele.”) Und dann das: Der Strom fällt aus. Kein Licht, kein Fernsehen. Die Bewohner des Townships Khayelitsha geben sich alle Mühe, sich einzubinden in das Ereignis, das die Welt zu den Freunden, ihnen, bringen soll. Doch sie können es nicht. Es wird ihnen verwehrt.

    Denn seit Jahren schon zapfen die Menschen den Strom ab bei Nachbarn, bei Menschen, die in festen Häusern leben. Denn ein eigenes Stromnetz haben sie nicht. Nwabisa Jamekwana berichtet auf dem Blog: “We still hope Eskom will recognise us one day and give us our own electricity. Until then we will just have to cram into other people’s houses”. (Wir hoffen noch immer, Eskom [der größte Stromanbieter in Südafrika, Anm. d. Red.] wird uns eines Tages wahrnehmen, so dass wir ans Stromnetz angeschlossen werden. Aber so lange müssen wir ihn noch bei anderen Leuten abzapfen.”)

    Bild einer gebrochenen Gesellschaft

    Zu Besuch in Khayelitsha, dem zweitgrößten Township Südafrikas, am Rande von Kapstadt, jener Ort inmitten des Nichts, den man durchquert, um im Wohlstand anzukommen. Khayelitsha, das ist Xhosa und heißt: Neue Heimat. Doch für die 1, 5  Millionen Menschen ist das Township wohl keine wirkliche Heimat. “Straßennamen gibt es nicht. Das riesige Gelände ist in 26 Bezirke eingeteilt, die einfach mit einem Buchstaben bezeichnet werden.” Jeder Zweite ist arbeitslos. Entsprechend ärmlich sind die Hütten („Shacks”). Meist sind sie aus Holz oder Wellblech. Manche Teile von Khayelitsha haben weder Strom noch fließendes Wasser”, schreibt Michael von Aichberger auf seiner Web-Seite. Und Bloggerin Jessica Gottesman beschreibt ihre Eindrücke: “Khayelitsha, in many ways it’s the very image of a broken society. The area is crammed with shacks, and conditions are far from sanitary. Crime, rape, and unemployment are huge problems, as is decent education. (Khayelitsha ist ein Sinnbild für eine gebrochene Gesellschaft. Das Gebiet ist zugebaut mit Bretterhütten, die Bedingungen sind kaum zu fassen. Gewalt, Vergewaltigung und Arbeitslosigkeit sind riesige Probleme.”)

    Thembeka und David haben Strom und ein Klohäuschen vor der Hütte. Das ist schon viel. Doch die Klospülung ist undicht, ständig läuft frisches Wasser ungenutzt in die Kanalisation. Ein kleiner Dichtungsring würde Abhilfe schaffen. Doch zur Reparatur fehlt das Geld. Draußen liegt ungekühlt und ungeschützt vor den vielen Fliegen das rohe Fleisch auf dem Tisch in der sengenden Sonne. Gegessen wird alles: Magen, Darm, Innereien, Kopf. Hygiene: Fehlanzeige. Ein Blogger kommentiert dazu: “Fruit and vegetables are often not fresh and cost more than in supermarkets. Spaza shops are also unhygenic as theyare not controlled by health regulations.” (Obst und Gemüse sind nicht frisch und kosten mehr als im Supermarkt. Die Läden sind auch unhygienisch, Gesundheitsbestimmungen gibt es nicht.”

    Schwer, die Kontraste zu akzeptieren

    Der Organisation “Ärzte ohne Grenzen” zufolge gehört das Township zu den am stärksten von HIV und Tuberkulose betroffenen Orten im ganzen Land. In den letzten Jahren ist die Zahl der an Tuberkulose erkrankten Menschen in den letzten Jahren dramatisch gestiegen. Der Organisation zufolge ist die Zahl der vorgeburtlichen HIV-Infektionen zwischen 1999 und 2006 von 15 auf 32 Prozent  gestiegen. Bernhard Kerschberger ist Arzt in Khayelitsha und arbeitet dort  für “Ärzte ohne Grenzen”. Er schreibt auf seinem Blog über die Kontraste, die nirgends so sichtbar sind wie im Township am Kap: “Trotz aller Attraktionen dieses Landes bleibt es eine besondere Herausforderung, den großen Kontrast zwischen Khayelitsha und Kapstadt, zwischen Arm und Reich, zu akzeptieren. Die Einwohner Khayelitshas leben zumeist in Wellblechhütten auf engstem Raum zusammengepfercht. Im Gegensatz dazu sieht man im nur 30 Autominuten entfernten Kapstadt die schönsten und größten Häuser, teuersten Autos und die besten Restaurants und Einkaufszentren.”

    Vom Luxus in Kapstadt sind die Menschen weit entfernt

    Von diesem Luxus sind die Menschen in Khayelitsha weit entfernt. Und dann, jedes Jahr wieder zur Winterzeit, kochen die Konflikte wieder hoch, zwischen den Bewohnern und der Regierung. Dann überflutet der Regen die unbepflasterten Wege, die Feuchtigkeit kriecht durch die dünnen Pappwände, die Kinder in den Schulen trocknen das Regenwasser mit Tüchern auf ihren Tischen. Dabei hatte dem Blog ngonewsafrica zufolge die Regierung im Western Cape den Bewohnern versprochen, sie in trockene Gebiete umzusiedeln. 1774 Familien sollten aus ihren überschwemmten Hütten gebracht werden.

    Doch die großen Versprechen scheinen dem Social Web zufolge nicht erfüllt zu werden. Angy Peter, ein Bewohner des Township, beklagte das mangelnde Interesse der Regierenden an den Lebensumständen. Dem Blog eyewitness sagte sie: “Why can’t they show us the place? The say they have discussed the place with community leaders. I don’t trust any leaders of any party.” (“Warum zeigen sie uns nicht die Plätze, wo wir hin sollen? Sie sagen, dass sie darüber mit den Gemeindeleitern gesprochen haben. Aber ich vertraue niemandem, von keiner Partei.”) Francis Hweshe zitiert auf ihrem Blog einen Bewohner: “We live in dirty and smelling places. We have no jobs. We live shameful lives. There are no toilets here. There is no electricity. ” (Wir haben keine Arbeit. Wir leben ein beschämendes Leben. Es gibt keine Toiletten, keine Elektrizität.”)  Und eine andere Bewohnerin beklagt, dass viele nur wegen der “harten Lebensbedingungen” an Tuberkulose erkranken würden.

    Kollektive Amnesie für vier Wochen

    Blogger Eusebius McKaiser ist skeptisch,  dass die WM seinem Land wirklich etwas bringt. Auf seinem Blog moniert er zum WM-Auftakt: “TODAY marks the beginning of compulsory national happiness and collective amnesia for four weeks. The race war is temporarily called off. Beggars have been swept off the streets even in cities run by self-declared liberals.” (“Der heutige Tag markiert den Anfang einer nationalen Freude und kollektiven Amnesie für vier Wochen. Der Rassenkampf wurde zur Seite gelegt. Bettler wurden von der Straße gefegt, selbst in den Städten, die von so genannten Liberalen geführt werden.”)

    Die Regierung wollte durch verschiedene Kampagnen versuchen, die Lebensverhältnisse in Khayelitsha zu verbessern, etwa durch feste Häuser. Doch für die gibt es lange Wartelisten. Auch Thembeka und David wollen ein Steinhaus bauen. Die Steine werden von der Regierung kostenlos zur Verfügung gestellt – doch Installationen, Putz oder gar Wärmedämmung sind nicht vorgesehen, Fenster und Türen müssen sich die Menschen selbst beschaffen. Doch David ist arbeitslos und Thembeka verdient ca. 100 Euro im Monat bei einem Stundenlohn von 1,50 Euro. Mindestlöhne gibt es nicht. Aus gutem Grund, schreibt Michael von Aichberger auf seinem Blog. Denn viele Jobs würden sonst wegfallen. Aichberger schreibt: “Zum Beispiel die Arbeit derjenigen, die in den Supermärkten der Gutverdiener (also der Weißen) Obst und Gemüse abwiegen.”




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