Südafrikanischer Protest

Unter Beschuss

00:06 10.06.2010

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    Sie bilden eine Allianz. Für die Armen. Für die Obdachlosen. Gegen Zwangsumsiedlung. Kurz vor dem Anpfiff setzt die Regierung Südafrikas größte soziale Bewegung unter Druck. Doch die "Hüttenbewohner" wehren sich - im Social Web.

    Demonastration von ABM

    Der Widerstand gegen Zwangsumsiedlung in Südafrika hat einen Namen: Abahlali baseMjondolo. Foto: Zapagringo

    “We are under attack”. In Großbuchstaben springt diese Warnung dem Besucher der Website der Abahlali baseMjondolo- Organisation  (AbM) entgegen. Das ist Zulu und bedeutet “people based in shacks”  (“Menschen in Baracken”). Die Hüttenbewohner in Durban haben sich zusammengeschlossen. In zwei Tagen beginnt die Fußballweltmeisterschaft in Südafrika. Die Regierung macht Druck.  Es soll eine ruhige, eine launige WM werden. Deshalb ist “South Africa’s largest social movement under attack” (“Deshalb ist Südafrikas größte soziale Bewegung unter Beschuss”).

    Das jedenfalls sagt Abahlalo base Mjondolo. Gemeinsam mit der Western Cape Anti-Eviction Campaign, dem Rural Network und Landless People’s Movement bildet die Organisation eine Allianz. Für die Armen in Südafrika. Für die Obdachlosen. Und gegen Zwangsumsiedlung.

    Innenansichten aus Durban.

    “We are under attack,” sagt AbM in einer Erklärung auf der Website. “We have been attacked physically with all kinds of weapons – guns and knives, even a sword. We have been driven from our homes and our community. The police did nothing to stop the attacks despite our calls for help” (“Wir wurden physisch mit allen möglichen Waffen angegriffen – Pistolen, Messer und sogar mit einem Schwert. Wir wurden von unseren Häusern und unseren Gemeinden weggebracht. Die Polizei tat trotz unserer Hilferufe nichts”).

    Am 26. September fingen nach eigenen Angaben die Repressionen gegen die Vereingung der “Hüttenbewohner” von Durban durch paramilitärische Organisationen an. In der Kennedy Road. Die AbM beklagt:  “What happened in Kennedy Road was a coup – a violent replacement of a democratically elected community organization. The ANC have taken over everything that we built in Kennedy Road. We always allowed free political activity in Kennedy and all settlements in which AbM candidates have been elected to leadership. Now we are banned” (Was in der Kennedy Road passierte, war ein Staatsstreich – eine gewalttätige Übernahme einer demokratisch gewählten Gemeinschaft. Das ANC hat alles genommen, was wir in der Kennedy Road gebaut haben. Wir hatten die Erlaubnis zur freien politischen Aktivität in Kennedy und allen Siedlungen, in denen AbM-Kandidaten gewählt wurden. Jetzt sind wir verbannt.”).

    Innenansichten aus Johannesburg.

    Das Internet vergisst nicht. Die Blogosphäre schon gar nicht. Das Thema: Die vermeintliche Repression gegen Landless People’s Movement in Johannesburg. Libcom.org postet: “Two LPM militants have been killed in recent days and, following the arrest of five people last night, ten are currently in prison.” (“Die Zerschlagung der Landless People’s Bewegung in Johannesburg geht weiter. Zwei LPM-Aktivisten wurden getötet, fünf Menschen wurden letzte Nacht inhaftiert und zehn sitzen gegenwärtig im Gefängnis.”).

    Innenansichten aus Kapstadt.

    Armut, Hunger und Elend. Die italienische Blogosphäre fokussiert die “Blechdosenstadt”. Der Hashtag: Blikkiesdorp. Clandestino, der “illegale Einwanderer”, zitiert in seinem Blog einen Bewohner: “Lieber auf der Straße leben und frei sein als im “KZ”.  Der Französische Blogger FootballHours twittert: “Les captifs de Blikkiesdorp exclus de la Coupe du monde de football” ( “Die Gefangenen von Blikkiesdorp sind von der WM ausgeschlossen”).

    1000 Kubikmeter Metal, meist ohne Fenster. Die sechs mal drei Meter großen Zinkblechhütten sind in endlosen Reihen angeordnet und akribisch durchnummeriert. Blikkiesdorp ist ein staubiges Gelände ohne jegliche Vegetation. Vier Familien teilen sich jeweils eine Küchenspüle, eine Toilette und ein Waschbecken. Im Freien.

    Die Regeln im Camp sind strikt: Nach acht Uhr abends darf niemand mehr Blikkiesdorp verlassen. Ausgangssperre. Das Trocknen der Kleidung im Freien auf zwei Wäscheleinen ist verboten.

    Dennoch: Einen Unterschied zu anderen temporären Umsiedlungsgebieten in Südafrika, so lautet die offizielle Bezeichnung von Camps wie Blikkiesdorp, gibt es nicht. Denn die Probleme der Bewohner gleichen sich. Neben den schlechten Lebensbedingungen ist vor allem die Entwurzelung gravierend. Die weiten Wege zur Schule, zu den Arbeitsstätten und die zerschnittenen sozialen Netze – ein geregelter Alltag ist  für die Bewohner der “Blechdosenstädte” unmöglich.




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