Aids Prävention

Zumas verpasste Chance

19:06 09.06.2010

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    Die Fußball-WM sollte eine Chance sein, die Bekämpfung von Aids im Land voranzubringen. Doch die Umsetzung läuft nicht wie geplant. Und in der Blogosphäre regt sich Unmut über den Präsidenten.

    Präsident Zuma übergibt die World Cup Trophäe an die Fifa. Foto: Terri/Zoopy

    Jacob Zuma duschte. Als Politiker, Journalisten und Blogger über die hohe HIV-Quote in Südafrika debattierten, über den Umgang mit Vergewaltigung und Ansteckung, stand Jacob Zuma in seinem Haus in der Provinz Gauteng und duschte. Im Gerichtssaal, er war wegen Missbrauch angeklagt worden, erklärte er dann der Welt, dass er sich, um sich nicht mit dem HI-Virus anzustecken, lieber gründlich wasche, als ein Kondom zu benutzen. Das war 2006. Doch Zumas Kommentar sorgt noch heute in der Web-Gemeinde für Furore: So twittert elmadaeu: “Taking a shower after having sex with an HIV individual will not protect you, despite, what Zuma thinks.” (Sich nach dem Sex mit einem HIV-infizierten Menschen zu duschen, schützt einen nicht, egal, was Zuma denkt.”) Und Joe Farrington zwitschert: “I was impressed that Jacob Zuma didn’t impregnate anyone during the game or mention his shower cure for Aids.” (Ich bin beeindruckt, dass Jacob Zuma während der WM noch niemanden geschwängert oder davon erzählt hat, dass duschen gegen Aids hilft.”)

    Es ist 2010, und es sind nur noch zwei Tage, bis alle Augen auf Südafrika blicken. Und das südafrikanische Gesundheitsministerium verkündet auf seiner Webseite selbstbewußt: Wir sind bereit für die WM! Ob Infrastruktur, Geräte oder medizinische Betreuung: Aids soll kein Thema sein, wenn die Spotlights der Weltbühne für vier Wochen auf das Land am Kap scheinen. Ist es aber. Denn die Debatten, die das Social Web bestimmen, zeigen: Die Geschichte der Weltmeisterschaft ist eine der verpassten Chancen. Die Web-Gemeinde läuft Sturm gegen die aufgesetzte Heiterkeit der Regierung im Vorfeld der Spiele. So schreibt MaximeAngel: IN SOUTH AFRICA A CHILD IS RAPED EVERY 3 MINUTES , AND AIDS IS SPREAD WITH EPIDEMIC FEROCITY SABOTAGE THE WORLD CUP AND DO SOMETHING !!! (In Südafrika wird alle drei Minuten ein Kind vergewaltigt, und Aids verbreitet sich wie eine Epidemie. Sabotiert die WM und tut etwas!) Und Blogger Chris Rodrigues schreibt auf dem Blog thoughtleader: “But not just anyone will be allowed to participate in what President Jacob Zuma calls “the greatest marketing opportunity of our time”. (“Nicht jedem ist es gestattet an dem teilzunehmen, was Präsident Zuma als die “größte Vermarktungsmöglichkeit aller Zeiten” beschreibt.”)

    Die Organisation “Ärzte ohne Grenzen” schreibt auf ihrem Südafrika-Blog: “While the unifying power of football is celebrated 1,4million people are still dying needlessly of HIV/AIDS each year in sub-Saharan Africa. The majority of these deaths could be averted by increased access to antiretroviral therapies (ART) and a right to treatment.” (“Während die allverbindende Kraft des Fußballs gefeiert wird, sterben noch immer jährlich 1,4 Millionen Menschen an HIV/AIDS im südlichen Afrika. Die Mehrheit dieser Todesfälle könnte verhindert werden durch einen besseren Zugang zu antiretroviralen Therapien und eine Aussicht auf Behandlung.”) Der Gastgeber des World Cup liegt laut dem Human Development Index in Bezug auf Bildung, Lebenserwartung und Lebensstandard noch immer auf dem traurigen Platz 129 – von 182 UN Mitgliedern. Blogger Chris Rodrigues hat dazu seine eigene Erklärung. Er schreibt: “It’s an apocalypse attributable not only to Thabo Mbeki’s HIV/Aids denialism, but to the way income inequality and poverty continue to impact the disease.” (“Das ist der Untergang, der nicht nur Thabo Mkbeki [Zumas Vorgänger, Anm. d. Red. ] und seiner Verleugnung der Aids-Problematik geschuldet ist, sondern auch der Art und Weise, wie Ungleichheit und Armut im Land sich auf die Krankheit auswirken.”) Das Video zeigt, wie schwierig es ist, die Gefahren von Aids zu vermitteln.

    Trotz seiner diskutablen öffentlichen Handlungen: Es sah doch alles ganz gut aus, als Jacob Zuma 2009 an die Spitze des Afrikanischen Nationalkongresses (ANC) gelangte und den Kampf gegen Aids zum Staatsthema erhob. Anders als sein Vorgänger Thabo Mbeki setzte er das Tabu-Thema ganz oben auf seine politische Agenda. Thabo Mbeki: Er steht in der Blogosphäre noch heute für Leugnung, Tabuisierung und Ausgrenzung, seine damalige Gesundheitsministerin Tshabalala Msimang wird noch immer „Doktor Rote Beete“ genannt, da sie Gemüse und Olivenöl statt Medikamenten gegen Aids propagierte. Blogger David Kibuuka moniert: He tells the population: HIV doesn’t cause Aids. (…) Any normal population would fire Thabo for saying this crazy stuff. ” (“Er sagt den Leuten: HIV ist nicht die Ursache von Aids. Jede normale Bevölkerung würde Thabo dafür feuern, dass er solche irren Sachen sagt.”)

    Das weit verbreitete Stigma durchbrechen

    Zuma tat dagegen einiges, um das Stigma zu brechen: Erst ließ er sich öffentlich auf den HI-Virus testen (der Test sei negativ, sagte er). Dem Blog afronline zufolge tat er dies so medienwirksam, um für mehr Offenheit im Umgang mit der Krankheit zu sorgen. Dann kündigte er wenige Wochen vor dem Kick-Off eine der größten Anti-Aids-Kampagnen an, die das Land am Kap je gesehen hat. Bis Juni 2011 will Zuma 15 Millionen Menschen auf HIV getestet haben. Die WM sollte das ins Rollen bringen: Die Fifa richtete „Football for Hope“- Zentren in Armenvierteln ein, die Regierung wollte verstärkt auf die Verwendung von Kondomen hinweisen, durch Statements von Fußballprofis das weit verbreitete Stigma durchbrechen, Millionen von Kondomen in Stadien, Hotels und Bars verteilen, Großbritanniens hat Südafrika zur Weltmeisterschaft 1,5 Millionen Dollar für den Erwerb von Kondomen zur Verfügung gestellt.

    Frust über die leeren Versprechungen

    Doch Fifa und Regierung stellen sich quer, ob und wieviele Kondome es geben wird: Unklar. Wie die Aufklärungsarbeit während und vor allem nach der WM vorangehen wird, auch. Der Südafrikanische Aids Rat (SANAC) beklagt, dass das Ziel, mit der WM auch die Aids-Prävention zu steigern, gescheitert sei. Mark Heywood, stellvertretender Vorsitzende von SANAC, beklagte dem Blog longwalksincefreedom zufolge, nicht nur die Finanzierung sei stockend verlaufen, auch hätten Fifa und Regierung Führungsschwäche im Umgang mit den Aids-Projekten bewiesen.

    Und die Blogger-Gemeinde munkelt: Nun ist auch Südafrikas Gesundheitsminister Aaron Motsoaledi frustiert. Dem Blog africanews zufolge spricht er offen über die Situation in seinem Land. “We are in big trouble in this country (“Wir haben in diesem Land große Probleme”)”, wird da der Minister zitiert, der erneut alarmierende Zahlen präsentierte. Dem Blog zufolge sagte er, das Land habe nicht nur die höchste Infektionsrate, sondern durch den Virus sterben vor allem Frauen im gebährfähigen Alter. Twitter-User Phillip de Wet schreibt: “Colour me a little less convinced that we’re all that ready for the World Cup. Aaron Motsoaledi, at least, isn’t.” (“Ich bin nicht mehr ganz so überzeugt, dass alle bereit sind für die WM. Aaron Motsoaledi ist es jedenfalls nicht.”) Und Wadza_M schreibt auf Twitter: “Jacob Zuma’s unfulfilled potential, and now the world is watching”. (“Jacob Zumas nicht unerreichtes Potential – und die ganze Welt schaut zu.”)

    Es reicht eben doch nicht, nur zu duschen.





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