Kriminalität und Mode

Darf ich das anziehen?

11:06 09.06.2010

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    Diese Frage warf eine südafrikanische Bloggerin auf. Lauren lebt in Durban und liebt Mode, deshalb bloggt sie. In ihrer Heimat klafft die Schere zwischen Arm und Reich wie kaum sonst auf der Welt auseinander. Aber: Bedingt ein Outfit die eigene Sicherheit?

    Fashion

    Herzchenstrümpfe und Schleifen - eine mutige Kombination, um auf sich auf die Straße zu trauen? Foto: Glossary

    Lauren ist eine eingefleischte Patriotin. Sie liebt ihre Heimatstadt, und sie liebt Mode. Beides vereint sie in ihrem Blog Glossaryzine. Lauren gehört zur oberen weißen Mittelschicht, ihre Posts sind voll mit Bildern von ihr in Blümchenkleidern aus Vintageläden. Sie findet es cool auch mal eine Tasche von der Kleiderwohlfahrt zu kaufen. Gleichzeitig habe sie, nach eigener Aussage, einen Automatismus von absoluter Vorsicht verinnerlicht. Die Türen bleiben verriegelt, alle Türen und Fenster werden gecheckt, bevor sie aus dem Haus geht. Im Auto fährt sie mit geschlossenem Fenster und verriegelter Tür. Ihre Tasche packt sie unter den Sitz und verbringt so wenig Zeit wie möglich auf unbewachten Parkplätzen.

    „South Africa is making headlines around the globe for all the wrong reasons!“ (“Südafrika schafft es weltweit nur mit Schauergeschichten in die Schlagzeilen!”), moniert sie in ihrem Blog. Und eröffnet eine Diskussion, die zwar auf den ersten Blick weit hergeholt scheint, aber so abwegig nicht ist: Bedingen sich Mode und Kriminalität in Südafrika? Für Lauren ist die Antwort ganz klar: Ja. Hier ist sie, wie die vielen Kommentare unter ihrem Eintrag zeigen, nicht allein hin- und hergerissen zwischen der Liebe für das eigene Land und der Realität, die nicht überall rosig ist.

    Vorsicht ist ein angeborener Automatismus

    “While we enjoy many first-world trimmings – movies, McDonalds and malls – we live with a third-world sensibility that stretches to our dress sense. I personally don’t want to draw excessive attention to myself for fear of being followed, mugged or something far worse. That means nothing too blingy, revealing or avant-garde.” (“Wir genießen zwar viele Erst-Welt-Vorteile – Filme, McDonalds und Einkaufszentren. Aber wir leben mit einem Dritte-Welt-Bewusstsein, das sich bis auf unsere Art uns anzuziehen ausweitet. Ich persönlich möchte keine übermäßige Aufmerksamkeit auf mich ziehen, weil ich mich davor fürchte, dass ich verfolgt oder ausgeraubt werde, oder mir etwas noch Schlimmeres passiert. Das heißt, ich trage nichts, was zu sehr glitzert, zu tief ausgeschnitten oder zu Avant-Garde ist.”) Eine eindeutige Aussage.

    Die Kommentare zu ihrem Artikel sind zweigeteilt. Einerseits findet sie viele Unterstützer, scheinbar allesamt Mädchen aus dem gleichen sozialen Umfeld. Bloggerin Honeychild kommentiert: “I totally agree. Particularly as women, the message that we need to be ultra aware of our surroundings, walk like we mean business and not look vulnerable, hold onto our handbags, turn our rings around and cover up anything revealing is so ingrained.” (“Ich stimme voll zu. Als Frauen müssen wir besonders auf unsere Umgebung achten. Wenn wir die Straße entlanglaufen müssen wir uns selbstbewusst geben und dürfen nicht verletzlich aussehen, wir müssen unsere Taschen fest umklammern, unsere Ringe umdrehen und uns nicht zu aufreizend anziehen. Dieses Verhalten ist so tief in uns verwurzelt.”)

    Die Mitte Südafrikas lebt mit angezogener Handbremse

    Andere wiederum wollen sich ihre Garderobe nicht vorschreiben lassen. FashionJazz schreibt: “To be honest I don’t even think about stuff like this while getting dressed and choosing my outfits. I will be honest in saying I have had a very sheltered and safe up bringing and I continue to do so where I live now.” (“Um ehrlich zu sein, denke ich gar nicht über so was nach, wenn ich mich morgens anziehe. Ich bin aber ehrlich und gebe zu, dass ich sehr behütet aufgewachsen bin und jetzt auch in einer friedlichen Umgebung lebe.”)

    Es ist der ewige Schwebezustand, in dem sich das Land Südafrika, eigentlich das verwestlichte Aushängeschild des Kontinents, befindet. Auf der einen Seite die reichen Viertel wie Sandton City in Johannesburg, in dem sich die Designershops auf blanken Straßen aneinanderreihen. Und die Townships, nur ein paar Kilometer Luftlinie entfernt und doch scheinbar eine ganz andere Welt. Dazwischen finden sich Mädchen wie Lauren, die nicht in Townships leben, aber eben auch nicht in einer eingezäunten Villa. Sie sind die Mitte Südafrikas – und leben mit angezogener Handbremse.




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