Musik

HipHop für die Heimat

18:06 04.06.2010

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    Rap klingt nach schwarzen Gangstern, leichten Frauen und schweren Waffen. Doch in Südafrika bedeutet es: politische Freiheit, Lebenslust und Identität.

    Wie originell die südafrikanische HipHop-Szene ist, zeigt eine Band aus Kapstadt ziemlich radikal. “Die Antwoord” heißt sie und treibt die alten HipHop-Klischees auf die Spitze. Mit ihrer Mischung aus Scooter und Bushido leiten die Kunststudenten eine neue Ära der südafrikanischen Musik ein. Ihre Freak-Show sorgt besonders bei Youtube für Aufregung. Nicht nur, weil die Band-Mitglieder mit den Pseudonymen “Ninja”, “Yo-Landi Vi$$er” und “DJ Hi-Tek” die Grenze des schlechten Geschmacks  überschreitet, sondern auch, weil die Drei in einer höllischen Geschwindigkeit auf Afrikaans rappen.

    Die Internet-Community ist entsetzt und entzückt zugleich. So kommentiert kcaplicki auf Youtube:  “Finally, some originality in the rap game. ” (Endlich etwas originelles in der Rap-Szene)  – währenddessen grollen andere über die drei Weißen aus Kapstadt. So wie makemefamouslol Kommentar: “u like this shit?? these lot are a joke.” (“Mögt ihr diesen Mist? Diese Gruppe ist ein Witz.”) Originelle Künstler? Oder drei Irre, die alte Rap-Traditionen in den Dreck ziehen, um Geld zu machen?

    Die Band trifft den Nerv der Hip-Hop Szene. Die legt viel Wert darauf ungekünstelt, authentisch zu sein.

    Auf Anna-Sophie Leens Fotografien sieht man diesen unglamourösen, südafrikanischen HipHop. Er dient als Sprache, Ventil, Trost und  Verbindungsglied.

    Die Menschen treffen sich zu „Open mic competitions“ – Jam-Sessions für Rap-Begeisterte und Freestyler.  Ein kleines Politikum und ein Symbol für das Ende der Apartheid – denn in den 80er Jahren wurde  HipHop-Musik noch vom Apartheid-Regime zensiert – zu rebellisch war die Musik aus den New Yorker Ghettos.

    Das hinderte die Südafrikaner jedoch nicht daran, HipHop zu hören und lieben zu lernen. Besonders in den Vororten Kapstadts, den ärmlichen „CapeFlats“ war Rap aus den amerikanischen Ghettos beliebt.

    “Economic apartheid is not so far from political apartheid, to the person trapped within” (Wirtschaftliche Apartheid ist für den Betroffenen ähnlich wie politische Apartheid) bloggt DJAzuhl dazu. Deswegen, meint er, hätten die Südafrikaner den Reiz des HipHops sofort verstanden. Damals wie heute handeln viele südafrikanischen Texte von gesellschaftlich-politischen Problemen des Landes:  HIV, Armut, Arbeitslosigkeit und Kriminalität.

    Gleichzeitig entwickelte sich in Südafrika aber auch ein anderer Trend: Um 1994, mit den ersten freien Wahlen, entstand in Soweto bei Johannesburg ein neuer Musikstil:  Kwaito.

    House trifft afrikanische Rhythmen, die Texte sind unpolitisch, werden gerappt oder geschrien. Musik zum Feiern, nicht zum Nachdenken – doch der Einfluss des Kwaito war trotzdem erheblich: Junge Südafrikaner hatten endlich eine eigene Musik, eine musikalische Identität. Auf Youtube kommentiert das  lungza so:  “aaah people , this reminds me of sa so much , u have to live in south africa to understand this” (aaah Leute, das erinnert mich so sehr an Südafrika, du musst in Südafrika leben, um das zu verstehen). Die vom ANC eingeführte Südafrika-Quote des Radios tat ihr Übriges – Kwaito setzte sich durch.

    Auf Youtube ist der Kwaito-Tanz stark vertreten, avancierte in Südafrika bereits zum Volksgut. So wie AguvGeneral kommentiert:  “When u were 8yrs old u looked a certain way,when u hit 10 then 13 then 17 you had gone through puberty and all ,but u were the same old Vin-vo……..get it,dance moves are just the same ,they just keep going thru the changes.” (Wenn man 8 Jahre alt ist, sieht man auf bestimmte Weise, dann wird man 10, dann 13, dann 17, dann bist du schon durch die Pubertät und alles gegangen, aber du bist der selbe, alte Vin-Vo…. verstehst du, die Tanzschritte sind die selben, die überleben alle Veränderungen.)

    Einer der Bekanntesten der Kwaito-Szene war Ma Willies aus Soweto.  2008  starb er im Alter von 38 an Tuberkulose.

    Doch je mehr sich HipHop und Kwaito in Südafrika etablieren, desto lauter die Vorwürfe: Die Musiker würden sich verkaufen, zu zahm, zu amerikanisch sein. Als Rapper im Social Web beschimpft zu werden, nicht mehr „real“ zu sein – eine Beleidigung für jeden Künstler.

    In Kapstadt ist HipHop jedoch schon lange ein rentabler Markt. Er füllt Clubs und verschafft Musikern und Plattenfirmen Aufträge. “Gone are the days where skill and originality took precedence over what’s out there or what’s hot.” (Vorbei sind die Tage,  als Fähigkeiten und Originalität über den Hype gesiegt hätten ) bloggt DJAzuhl. Er war schon in den 80ern in Kapstadt dabei und meint, dass HipHop inzwischen eher Beruf, als Berufung wäre.

    Kommerziell oder nicht – solange die Fans nicht ausbleiben, wird HipHop auch in Zukunft Bestandteil der südafrikanischen Kultur sein.

    Denn der südafrikanische HipHop,  geprägt vom ausgelassenem Miteinander, kritischer Diskussion und Originalität, hat auf ein zeitloses Bedürfnis gesetzt, das nie aus der Mode kommt:  Zusammenhalt.




    Kommentare:

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    1. 19:07 Uhr, 15.07.2012
      anja novacek

      suche hip hop sängerin aus südafrika, ihr nahme klingt wie kanji . danke anja